Zwei Stimmen
- Sofia Bianco

- 14. Okt. 2020
- 1 Min. Lesezeit

Zwei Stimmen leben in meinem Kopf. Die eine ist hellgrau, die andere rot wie das Feuer im Kamin. Die Beiden streiten sich ab und zu, seit einigen Monaten aber öfters. Fast täglich, würde ich sogar sagen. Die Hellgraue will mich lieb behandeln. Sie meint immer, ich hätte schon genug getan, ich bräuchte mal eine Auszeit. Ich soll mich endlich mal ausruhen, sagt sie immer. Sie scheint ziemlich nett zu sein. Wäre nur diese Stimme in meinem Kopf, so hätte ich wenige Probleme. Oder zumindest glaube ich das. Doch da ist noch die andere Stimme. Feuerrot, grell. Sie ist etwas leiser und kleiner als die Hellgraue. Vergeblich versucht sie mich immer anzuschreien, ich solle nicht aufgeben. Aber wer spricht hier von aufgeben? Ach ja, stimmt, die andere Stimme. Meine Güte. Die Hellrote verbringt den Tag damit, mich ständig auf den richtigen Weg bringen zu wollen. Egal ob das Wetter mitspielt oder nicht, egal ob ich drei Stunden geschlafen habe oder zehn, egal ob ich Angst habe oder nicht. Die arme, kleine, hellrote Stimme wird öfters zertreten von der großen Hellgrauen. Doch sie gibt nicht auf, sie fragt mich ständig: Wer könntest du sein? Wer kannst du sein? Wach auf!
Währenddessen spricht seelenruhig die graue Stimme: Ach komm schon, ruh dich aus. Darauf immer wieder die Rote: Nein, steh auf und tue endlich das, was du tun musst. Und so sieht es aus. Zwei Stimmen, ein Krieg.



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