Licht im Kopf
- Sofia Bianco

- 26. Mai 2019
- 3 Min. Lesezeit

Alles fing damit an, dass es Richard Holunder, ein freiberuflicher Journalist , zu ungemütlich wurde in seinem Wohnzimmer, welches gleichzeitig als Arbeitszimmer diente. Also entschied er sich eines Tages dafür, es zu renovieren und einen wesentlichen Strich zwischen dem Faulsein und dem strengen, konzentrierten Arbeiten zu machen. Nicht nur der mentalen Gesundheit sollte diese Veränderung beitragen, auch freuten sich die drei anderen Familienmitglieder über die Reform.
So ließ er sich beraten von einer seiner Freundinnen, die beruflich Designerin war. Möge am Ende alles glatt gehen, dachte er sich.
Das Geld wurde aus Fenster geschmissen, als ob man damit Tauben füttern wolle, als es darum ging, die neuen feinsten Möbel zu bestellen. Da fragte sich einer manchmal- tut der Herr Holunder eigentlich etwas dazu selbst beitragen? Nun, gewiss lautete die Antwort nicht positiv. Der gewürdigte reiche Mann klatschte kurz mit den Fingerspitzen und schon kamen zwei Arbeiter, die die einzelnen Teile zusammenschraubten und aufstellten. Sogar ein Designertisch ließ der Vater der vierköpfigen Familie bestellen, damit jawohl alles perfekt in den belichteten Raum passen tat.
Alles verlief nach Plan, der große Traum eines möchte-gern-so-reich-wie-die-Menschen-in-Saint-Jean-Cap-Ferrat sein war fast erfüllt.
Doch fehlte am Ende noch das Sofa, welches das kostspieligste Teil der Wohnung schien. Als Geldbetrag würde mindestens eine vierstellige Zahl in Frage kommen. Schrecken wurden in den jungen Mann mitte vierzig verursacht. Er landete mit beiden Fußsohlen wieder auf der Erde und bemerkte entsetzt, dass er auf nicht besonders raffinierter Weise sein ganzes Kapital in seinen Wunsch investiert hatte.
Seine Freizeit beschaffte Unruhe, immer wieder schwirrten seine Gedanken zu dem perfekten Sofa, das war das Letzte was noch fehlte.
Jedoch konnte er sich nichtmal eins leisten, welches durch andere Hände gegangen war. Hier kommen wir nun zum Höhepunkt der Geschichte: Die Familie hatte ein Wohnzimmer ohne Sofa. Nur ein fusseliger Teppich bedeckte den nackten glatten neuen Holzboden.
Da die Gedankenwelt grenzenlos ist, möchte ich mich um die Lösung dieses Problems entschuldigen, obwohl sie extrem genial ist.
Man nehme zehn dünne, billige Matratzen und lege sie aufeinander auf dem erwünschten Platz. Nicht viel mehr verlangte die innovative Idee. Jetzt frage man sich, warum zehn Matratzen und nicht nur maximal drei? Bei dieser Geldknappheit wolle man sich doch zumindest die Leiter ersparen wollen, nicht wahr? Und den an der Wand befestigten Fernseher möge man auch nicht an der Nase haben, ist dies nicht so? Nun, da die Ideenwelt des Menschen weitaus überreich ist, habe man ein Licht im Kopf angestellt. Das Wohnzimmer diente jetzt nicht nur zum Nichtstun, sondern auch zum durchaus hervorragendem Experimentierraum. Ein kleines Detail habe ich eventuell vergessen. Eine grüne Erbse liegt zwischen der letzten und vorletzten Matratze. Und jetzt kann man sich vorstellen, was kommt.
Erinnert das Ganze doch an ein altes Märchen, dass den Erinnerungen schwebt. Die Prinzessin auf der Erbse, so heißt sie, die Geschichte, die Kindheitserinnerungen auftauchen lässt.
Nun bräuchte man Individuen, die an so einem extravaganten und gleichzeitig unoriginellem Experiment teilnehmen wollen.
100 Personen durften eine Nacht auf zehn billigen Matratzen schlafen. Geldkosten wurden von dem Unternehmen größtenteils übernommen, ein kleiner Betrag von 50 Euro mussten die Teilnehmer am Eingang des Hauses bezahlen.
Der Mensch, der die Erbse in Kenntnis nahm wurde entweder
a) zum Mann der Tochter des Dienstmannes
b) zur Frau des Sohnes des Dienstmannes
c) zum stolzen Besitzer seines für dieses Experiment ausgegebenes Geldes.
Die Einkommen hielten sich beschränkt, denn oftmals hatten die Teilnehmer das Märchen gehört, malten sich am Morgen schnell möglichst Augenringe unter den Wimpern und meckerten über die angeblich unruhige Nacht. Da keiner von Ihnen weder den Sohn, noch die Tochter heiraten wollten, zwangen sie den Mann zur Option c).
Wie alles ausging, möchtet Ihr wissen? Nun, die Aktion blieb nicht ganz unbekannt. Einen Preis im Guinness-Buch der Rekorde bekamen sie für die einfallslose Idee.
Und was ist mit dem Sofa? Tja, da muss ich euch enttäuschen, meine Damen und Herren. Es verblieb ganz ohne, das möchte gern Luxus- Wohnzimmer der Familie Holunder.



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