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Kleine Kinder weinen nicht

  • Autorenbild: Sofia Bianco
    Sofia Bianco
  • 8. Juli 2020
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 9. Juli 2020



Als ich Erik sah, wie er seelenruhig in die Luft guckte, während seine Mutter ihm das Handgelenk zerquetschte und dabei hastig über den Zebrastreifen lief, fragte ich mich, wie oft man das Kind in der Vergangenheit auf dieser Art behandelt haben musste, damit es keinen einzigen Piepton bei so einem Schmerzempfinden von sich gab.

Nun waren die beiden am anderen Straßenrand angelangt. Die Frau ließ ihren Sohn los, um etwas in ihrer Tasche zu suchen. Der rote Fleck, der auf dem Handgelenk des Jungen dabei zum Vorschein kam war nicht mehr normal. Er schüttelte kurz seinen Arm, schön hinterm Rücken verborgen.

Ich guckte zurück zur Mutter. Was für eine Überraschung, das Handy war das im Moment erwünschte Objekt. Sie legte beinahe ihre Nase auf den Bildschirm um erkennen zu können, was der Bildschirm ihres Handys von sich preisgeben wollte. Dopamin: durch Biosynthese entstehendes Amin, das bei der Synthese von Noradrenalin und Adrenalin sowie als Neurotransmitter eine Rolle spielt.

Der Gedanke, kurz rüber zu rennen und um ihr zu erklären, dass sie bei Einstellungen die Schriftgröße ändern konnte, schoss mir durch den Kopf.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, wie die Situation sich zu einer Eskalation verwandelte, bin ich mir selbst sehr dankbar, dass ich zu faul war um mich von meiner Bank wegzubewegen.

Das Nächste, das ich mit einer geringen Verwunderung beobachten konnte, war ein sehr lustiges und gleichzeitig erschreckendes Szenarium.

Während die Mutter des Kindes weiterhin ihre Nachrichten beantwortete, ging der kleine Bub gelassen auf die Straße, weder Ampeln noch sonst irgendwelche Signale standen zu diesem Zeitpunkt am Straßenrand.

Das Kind überkreuzte die Straße, hinter und vor ihm fuhren Autos, rot, gelb, schwarz und dunkelblau. Mein rechtes Auge fing an, in schnellartigen Bewegungen auf und zu zu gehen. Dieses einseitige Blinzeln erschien mir unmöglich unter Kontrolle zu bringen.

Die Füße des Jungen traten nun auf den Bürgersteig. Er seufzte und schaute nach unten.

Erik kniete sich hin um seine Schuhe zu binden. Als er sich umdrehte, sah er, dass seine Mutter auf dem Straßenboden vor einem grünen Lambo lag, ihr schwarzes Handy einige Zentimeter entfernt.

"Das ist alles, was ich vom Ereignis noch im Gedächtnis habe, Sir" sagte ich zum Polizisten. "Mein einseitiges Blinzeln wurde so heftig, dass ich auf der Bank zusammenklappte, ist mir schon öfters passiert."


 
 
 

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